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EHEC – Eine möglicHkeit auf bio hErumzuhaCken

Der Titel ist sicher polemisch. Aber wahr. Mein Lieblingswort ist: Medienhalbwertszeit. Wie lange bleibt das aktuelle Schockthema  in aller Munde? Nie besonders lange, wenn man sich zum Beispiel überlegt, dass die Katastrophe in Japan für einen Großteil der Japaner unvergesslich und noch immer Alltag ist und bei uns kein Wort mehr darüber verloren wird.

So war es nun auch mit der EHEC-Sache. Ungewissheit, ein biss’l Behördenunfähigkeit, Tote – darüber liest man doch gerne. Aber ohne Sündenbock keine Chance bei den Lesern – also sind’s halt die Bio-Läden – und prompt ist auch schon eine ausführliche Liste von Bio-Läden im Netz, bei denen man möglicherweise “EHEC-Gurken” gekauft haben könnte. PS: Es waren schlussendlich gar nicht die Gurken.

Ich möchte zu der Geschichte zwei Sachen ansprechen:

1) Wieso BIO-Gurken aus Spanien kaufen?

Rewe-International-Chef Frank Hensel meint dazu im FORMAT, dass die Bio-Supermärkte zu Unrecht wegen ihren EHEC-Gurken verurteilt wurden, fragt sich aber, “warum zu dieser Zeit überhaupt Bio-Gurken aus Spanien gekauft werden müssen.” Gurken “gibt es ja auch in Österreich zu dieser Jahreszeit, die Gurken müssen nicht unbedingt aus Spanien kommen.”

FORMAT, Interview: Silvia Jelincic, 10.06.11

Ich stimme dem grundsätzlich zu. Man sollte regional einkaufen. Man muss keine Weintrauben aus Südafrika importieren, wenn es hierzulande eben gerade keine gibt. Da hat man Zeit, sich auf die zu freuen, die dann bei uns reif sind und richtig gut schmecken, weil der ganze Geschmack beim Transport nicht verloren ging.

Aber man sollte sich selbst auch bei der Nase fassen. REWE in Form von Billa, Merkur & Penny verkauft das ganze Jahr über (konventionelle) Gurken aus der ganzen Welt. Auch Erdbeeren gibt es lange zuvor schon aus Nicht-Österreich. Will Hr. Hensel also sagen, wenn man Bio kauft, dann nur aus Österreich, wenn es das nicht gibt, dann eben die Konventionellen? Wozu?

Dem ist außerdem folgendes entgegen zu stellen:

Quelle: www.adamah.at“Heimische Gurken benötigen einen massiven Energieaufwand (Wärme) um in unseren Breiten zu dieser Jahreszeit zu gedeihen. Gemüse mit einem solchen Energieaufwand und einer damit äußerst schlechten CO2-Bilanz (im Vergleich zu einem Transport aus Spanien um einiges höher) – dürfen nicht als „kontrolliert biologisch” geführt werden.”

 

Biohof ADAMAH, Fam. Zoubek, 30.05.11

 

2) EHEC ist kein BIO-Thema.

Beispiele für Vorzüge von Bio sind einerseits  die artgerechte Tierhaltung ohne u.a. präventiver Antibiotika-Fütterung und Wachstumshormonen oder der Verzicht auf Gentechnik und Pestizide sowie Kunstdünger. All diese Dinge stehen unter strenger Kontrolle in den zertifizierten Betrieben und dazu gehört auch die Hygiene. EHEC ist zwar (sprichwörtlich) in aller Munde, aber eines möchte ich euch nicht vorenthalten:

“Die Kontamination mit EHEC-Keimen ist kein Produktionsproblem sondern ein Hygieneproblem.
„Die Ursache kann überall dort sein, wo mangelndes Hygienebewusstsein vorhanden ist“, erklärt Rudi Vierbauch. Biologisch wirtschaftende Betriebe unterstehen strengen Hygienevorschriften, die regelmäßig überprüft werden.”

BIO AUSTRIA, Hubert Zamut, 15.06.11

Was hat denn das nun mit BIO zu tun? Doch wohl nur eine Möglichkeit, dass die Großen auf Bio herumhacken können. Ich finde es schade, dass man nicht nachdenkt, bevor man mit dem Finger auf etwas zeigt. Schlimmer noch, dass man all das nachplappert, was man in Gratis-Zeitungen liest.