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Mehr Bio-Kühe = Mehr Klimaschutz?

Wiesenmilch - Werbeanzeige

Diese Werbung habe ich vor kurzem in einer Zeitschrift entdeckt. Ich finde, sie ist ein gutes Beispiel dafür, wie man Statisiken und Zahlen für die eigenen (Werbe-)Zwecke verdrehen kann - und ein Beweis, dass man als MedienkonsumentIn ganz genau hinschauen sollte.

Ein gewagtes Statement: Mehr Bio-Rinderhaltung = mehr Grasland. Mehr Grasland = mehr Klimaschutz.

Ich hoffe, es versteht mich hier niemand falsch – natürlich finde auch ich eine artgerechtere Haltung der Kühe besser, als die Haltung in engen Ställen. Aber dieses Argument mit dem Klimaschutz kommt mir auf den ersten Blick doch ziemlich seltsam vor. Mehr Grasland im Vergleich wozu? Klar, Biokühe brauchen mehr Wiesenfläche als Stallkühe. Aber ab da wird die Argumentationslinie etwas schwammig.

Angenommen, mehr Bauern würden ihre Kühe “bio” und auf Wiesen halten. Dazu müsste man mehr Flächen zu Wiesen “umwidmen”, die jetzt noch keine Wiesen sind. Und welche Flächen könnte man da nehmen? Parkplätze, Straßen oder verbautes Land? Das halte ich für unwahrscheinlich. Felder vielleicht? Ob man Biokühen weniger Getreide und sonstige Ackerprodukte zufüttert als Stallkühen, weiß ich nicht genau – vielleicht könnte man einige landwirtschaftliche Flächen von Feldern zu Wiesen umwandeln. Aber falls diese Flächen nicht ausreichen, bliebe nur noch eins: Wald abholzen. Jetzt klingt die Idee plötzlich nicht mehr so öko…

Fragen über Fragen

Wiesen sind laut diesem Werbetext der zweitgrößte CO2-Speicher – heißt das, sie sind auch der zweiteffizienteste…?? Nr. 1 ist übrigens (laut Text) das Meer. Das heißt, dass Wälder erst irgendwann nach den Wiesen kommen – das wundert mich jetzt nicht so richtig, schließlich werden auf der ganzen Welt dauernd Wälder abgeholzt, und es kann schon sein, dass es flächenmäßig mittlerweile einfach mehr Wiesen als Wälder gibt.

Ich kann hier nur eine Milchmädchenrechnung anstellen, da ich auf dem Gebiet keine Expertin bin, aber ich gehe mal davon aus, dass Wälder ein mindestens genausoguter CO2-Speicher sind wie Wiesen. (Wenn jemand dazu mehr Informationen bzw. eine Expertenmeinung hat, freue ich mich über Diskussion in den Kommentaren!)

Im übrigen verschweigt der Text geflissentlich, dass Kühe auch Treibhausgasemissionen verursachen (zwar mehr Methan und nicht CO2, aber das ist auch nicht so toll für die Ozonschicht. Eine Erklärung zu Kühen und Treibhausgasen gibt es z.b. hier). Zu diesem Thema wäre es interessant zu wissen, ob die Fläche an Grasland, die man für die Haltung einer Kuh benötigt, ausreicht, um die von der Kuh ausgestoßenen Treibhausgase auszugleichen – hier wären wieder Daten gefragt.

In meiner Milchmädchenvorstellung ist es aber zumindest so: Wenn jeder Landwirt nur so viele Kühe halten würde, wie er auf seinem Land unterbringen könnte, dann wären es wohl weniger, als im Moment so mancher Betrieb hält… und weniger Kühe wären tatsächlich positiv für die Klimabilanz.

Trotzdem: Werbung und ihre Interpretation von Statistiken. Tztz…

Die Zivilgesellschaft als Staatsfeind? (Filmtipp: Der Prozess)

“Der Prozess” ist ein österreichischer Film über den “Wiener Neustädter Tierschutzprozess” (2010-2011). In diesem Strafprozess wurden TierschutzaktivistInnen beschuldigt, gemäß dem umstrittenen §278a StGb – dem sogenannten “Mafiaparagraphen” – eine “kriminelle Organisation” gebildet zu haben. Hintergrund war eine Aktion gegen Pelz des Vereins gegen Tierschutz, der die Kette Kleider Bauer im Visier hatte.

Es gibt mehrere Punkte dieses Filmes, die mich berührt haben, die ich schildern möchte:

Die Macht der Medien

Generell hat man in den Medien, wie über viele andere wichtige Sachen, nichts über diesen Prozess, geschweige denn über dessen Unstimmigkeiten oder Kritik daran, mitbekommen. Gerade mal an die Verhaftung der Angeklagten (105 Tage U-Haft!) kann ich mich erinnern: die Berichterstattung hat in mir das Bild erzeugt, dass es sich hier um ein paar randalierende Radikale handelt, die außer Gefecht gesetzt wurden. (Gott sei Dank!) Tierschutz wurde also mit negativen Assoziationen in den Medien breit getrampelt. Wieder einmal habe ich gelernt, dass man über die Sachen, die man wissen möchte, selbst Recherchen anstellen muss.

Der Paragraf §278a StGb

In diesem Gesetz – das eigentlich Terror und Mafia vorbeugen soll – geht es um Personen, die eine auf längere Zeit angelegte unternehmensähnliche Verbindung einer größeren Zahl von Personen gründen (oder sich an einer solchen beteiligen). Diese Verbindung soll kriminelle Absichten haben und erheblichen Einfluss auf die Politik oder Wirtschaft anstreben. Es geht hier offenbar nicht um Sachen, die man getan hat, sondern Sachen, die man beabsichtigt zu tun. Und damit ist der Interpretationsspielraum ziemlich groß. Der Film zeigt auch, dass bei einem Verdacht gem. diesem Paragrafen, umfangreiche Observationen gestattet werden bzw. gestattet werden können!

[...] in Form von Lauschangriffen, Peilsendern, Online-Überwachungen, Beschattungen und verdeckten Ermittlungen gegen eine große Anzahl von Personen. Acht Monate nach Beginn der Ermittlungen der SoKo berichtete diese am 18. Dezember 2007 dem Generaldirektor der Polizei, bis auf eine DNA-Spur auf einem Pflasterstein keine Ermittlungsergebnisse vorweisen zu können. [Wikipedia, 04.01.2012 22:51]

YouTube | RIS

Politische und wirtschaftliche Interessen

Dass es überhaupt soweit kommen sollte, hat – wer sonst – die Firma Kleider Bauer inkl. politischen Verbandelungen bzw. deren Interessensvertretungen initiiert. Auf Grund Druckmachens durch die Eigentümerfamilie Graf auf das Innenministerium wurde die SoKo Bekleidung gegründet, die sich u.a. ausdachte, diesen o.g. §278a hier anzuwenden. Fragwürdige Hintergründe, die noch mehr Unstimmigkeiten mit sich brachten. Wurde hier versucht, ein Musterprozess gegen zivilen Ungehorsam zu führen?

YouTube

Freispruch

Am Ende wurden alle Angeklagten freigesprochen – wunderbar, oder? Jeder Prozesstag hat ~4000€ gekostet, die Angeklagten waren über ein Jahr beinahe täglich im Gerichtssaal, konnten keinem normalen Einkommensverhältnis nachkommen, um für ihre Unschuld zu kämpfen, welche durch das Gericht auch bestätigt wurde. Dennoch ist es in Österreich so, dass hier im Strafverfahren, die Verteidigungskosten nicht übernommen werden, auch wenn diese Personen rechtskräftig freigesprochen werden. Hinzu kommt, dass der Staatsanwalt gegen das Urteil berufen hat und es sein kann, dass nun alles von vorne anfängt. Es gibt eine Petition, bei der man für eine Gesetzesänderung unterschreiben kann:

Zur Petition | passender Artikel auf diepresse.com

Also, ab ins Kino!

Quellen:

www.martinballuch.com/?p=792
www.derprozess.com
Wikipedia

Aber das ist ja dann gar nicht richtig BIO?

BIO-Schweine am Annahof, Laab im WaldeSchau, die Bio-Erdäpfel sind ganz sauber, das kann ja nicht BIO sein.
Schau, die vegetarischen BIO-Würstchen halten noch zwei Monate, das ist sicher nicht biologisch.
Schau, die BIO-Milch hält ein Monat, da ist sicher Chemie drin.

Ich habe mein Konsumverhalten geändert. Zumindest ist im Verwandschafts-/Freundeskreis bekannt, dass wir bewusst und bemüht ethisch korrekt einkaufen – nenne ich es jetzt einmal zusammengefasst.

Immer öfter höre ich dann, wie jemand versucht, diese Form des Einkaufens zu kritisieren. Es sind interessanterweise, nie die richtig kritischen Argumente dabei. Öfter kommen mir Rechtfertigungen unter. Wie wenn sich mein Kritiker dafür rechtfertigen möchte, wie/Was er eigentlich durch seinen Einkauf unterstützt. Dabei werden immer klitzekleine Details aufgegabelt und durch den Kakao gezogen.

So wird Milch keine Chemie beigefügt, sondern diese wird durch Hitze haltbar gemacht – das gilt auch für Konventionelle. Es gibt wie man sieht noch andere Mittel wie etwa Hitze, Hochdruck, etc. für Haltbarkeitsverlängerung, was ich auch zu den Würstchen anmerken möchte. Und warum bitteschön darf man Bio-Erdäpfel nicht gewaschen verkaufen? Sie kommen trotzdem aus der Erde.

Es ist sicher noch nicht bei jedem angekommen, was die genauen Eckpfeiler von der BIO-Zertifizierung sind. Ich gehe hier in meinem Blog noch näher darauf ein, und möchte deshalb jetzt nur kurz ein paar Schlagwörter nennen:

- keine präventive Antibiotika-Fütterung in der Tierhaltung
- keine Massentierhaltung (“Intensivtierhaltung)
- artgerechte Tierhaltung!
- Tiere werden mit Bio-Futter ernährt (vgl. genmanipuliertes Tierfutter)
- keine Spritzmittel
- keine künstlichen Aromen
- Anbau schont Boden und Grundwasser
- Anbau ist weniger energieaufwendig und klimafreundlicher
- zertifizierte Betriebe werden streng kontrolliert
- keine Gentechnik (vgl. hier)

Über die Gentechnik habe ich bereits hier geschrieben. Über die anderen Punkte, schreibe ich sicher bald mehr & detailliert. Hier :-)