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Ein Kind, das heute an Hunger stirbt, wird ermordet.

http://www.flickr.com/photos/breadfortheworld/4995426753/Was heißt das? Das heißt, dass genug Essen da ist, und die Hungernden es nicht bekommen. Wir bringen diese Menschen also wissentlich um. Oder?

Die Weltlandwirtschaft könnte heute problemlos 12 Milliarden Menschen ernähren. (Auf der Erde leben rd. 7 Mrd. Menschen.) Alle 5 Sekunden verhungert ein Kind, jeden Tag sterben 100.000 Menschen an Hunger oder seinen unmittelbaren Folgen.

Von den 7 Mrd. Menschen sind 17% dauerhaft unterernährt, sie hungern. Andererseits sind unter uns 11% von Übergewicht und Fettleibigkeit betroffen. Paradox! Wie kann das sein?

“Beide Zahlen stiegen zuletzt an, wobei Übergewichtigkeit in den reicheren Regionen immer mehr zu einem Armutssymptom wird, wenn sich viele Menschen “gesunde” Ernährung schlicht nicht mehr leisten können.” (aus: Unser kleines Dorf)

Dazu eine Szene aus dem Film Food, Inc., indem eine Mutter – aus einer unteren Einkommensschicht in den USA – während der Begutachtung des Gemüse im Supermarkt sowie bei der Bestellung bei Burger King erklärt:

“Wenn du mit einem Dollar zwei Kinder satt kriegen musst, gehst du entweder ins Geschäft und suchst was Billiges oder du kaufst ihnen gleich zwei kleine Hamburger. Das macht sie satt, im Gegensatz zu der einen Sache aus dem Supermarkt.” (aus: Food, Inc.)

Den Double Cheeseburger gibt’s um 99c, um denselben Preis aber keinen Strunk Brokkoli. Der Film ist sehr sehenswert, aber man muss nicht soweit weg gehen, diese Argumente und Tatsachen gibt es auch hierzulande.

Das Hauptproblem lässt sich wohl in der amerikanisch-europäischen Landwirtschaftspolitik lokalisieren. Also dort, wo die Reichen der Welt zu Hause sind. Die Politik subventioniert “schlechte Kalorien”. Die Bauern – vor allem bei den “Snackkalorien” (Weizen, Mais, Sojabohnen) – werden finanziell stark gefördert. Dadurch werden Sie so sehr unterstützt, dass sehr oft viel zu viel produziert wird, was wesentlichen Einfluss auf den globalen Agrarhandel hat. “Ungesundes” wird billiger als “Gesundes”.

Schlimmer noch: USA, EU haben zu viel, also wird exportiert. Der Preis ist niedrig, denn durch die Subventionen der Politik konnte billig produziert werden. Der Preis ist oft niedriger als z.B. der heimische eines afrikanischen / asiatischen Bauerns. Und so importieren die Armen den Überschuss von den Reichen, leben an der Existenzgrenze, weil sich die eigene Landbewirtschaftung nicht mehr auszahlt.

“Was dabei vielleicht trotz des bisher Gesagten wohl immer noch überraschen wird, ist der Umstand, dass heute gerade in den reicheren Regionen mit dem Export von Nahrungsmitteln auch noch Geld verdient wird. Der globale Nahrungsmittelhandel weist insbesondere die industrialisierte Landwirtschaft in Nordamerika und Europa als Überschussproduzenten aus, während gerade jene Regionen, wo immer noch viele Menschen von der Landwirtschaft leben und die daher auf Exportchancen angewiesen wären, immer stärker in die Zwangslage geraten, Nahrungsmittel einführen zu müssen.
Es wäre daher naiv, den derzeitigen von Subventionen geprägten Agrarhandel für eine Hoffnung für die Armen zu halten. Vielmehr schädigt er deren Einkommensquellen und verursacht unnötige Kosten auch in den reicheren Regionen von Globo.” (aus: “Unser kleines Dorf”, S.74)

Quellen:
Titel Zitat Jean Ziegler, UN-Sonderberichterstatter (
z.B. hier);
Buch “Unser Kleines Dorf” von Nussbaumer/Exenberger/Neuner im IMT Verlag in der 10. Auflage von 2010;
Film “We Feed The World” von Erwin Wagenhofer;
Film “Food, Inc.” von Robert Kenner 2008.