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Die Zivilgesellschaft als Staatsfeind? (Filmtipp: Der Prozess)

“Der Prozess” ist ein österreichischer Film über den “Wiener Neustädter Tierschutzprozess” (2010-2011). In diesem Strafprozess wurden TierschutzaktivistInnen beschuldigt, gemäß dem umstrittenen §278a StGb – dem sogenannten “Mafiaparagraphen” – eine “kriminelle Organisation” gebildet zu haben. Hintergrund war eine Aktion gegen Pelz des Vereins gegen Tierschutz, der die Kette Kleider Bauer im Visier hatte.

Es gibt mehrere Punkte dieses Filmes, die mich berührt haben, die ich schildern möchte:

Die Macht der Medien

Generell hat man in den Medien, wie über viele andere wichtige Sachen, nichts über diesen Prozess, geschweige denn über dessen Unstimmigkeiten oder Kritik daran, mitbekommen. Gerade mal an die Verhaftung der Angeklagten (105 Tage U-Haft!) kann ich mich erinnern: die Berichterstattung hat in mir das Bild erzeugt, dass es sich hier um ein paar randalierende Radikale handelt, die außer Gefecht gesetzt wurden. (Gott sei Dank!) Tierschutz wurde also mit negativen Assoziationen in den Medien breit getrampelt. Wieder einmal habe ich gelernt, dass man über die Sachen, die man wissen möchte, selbst Recherchen anstellen muss.

Der Paragraf §278a StGb

In diesem Gesetz – das eigentlich Terror und Mafia vorbeugen soll – geht es um Personen, die eine auf längere Zeit angelegte unternehmensähnliche Verbindung einer größeren Zahl von Personen gründen (oder sich an einer solchen beteiligen). Diese Verbindung soll kriminelle Absichten haben und erheblichen Einfluss auf die Politik oder Wirtschaft anstreben. Es geht hier offenbar nicht um Sachen, die man getan hat, sondern Sachen, die man beabsichtigt zu tun. Und damit ist der Interpretationsspielraum ziemlich groß. Der Film zeigt auch, dass bei einem Verdacht gem. diesem Paragrafen, umfangreiche Observationen gestattet werden bzw. gestattet werden können!

[...] in Form von Lauschangriffen, Peilsendern, Online-Überwachungen, Beschattungen und verdeckten Ermittlungen gegen eine große Anzahl von Personen. Acht Monate nach Beginn der Ermittlungen der SoKo berichtete diese am 18. Dezember 2007 dem Generaldirektor der Polizei, bis auf eine DNA-Spur auf einem Pflasterstein keine Ermittlungsergebnisse vorweisen zu können. [Wikipedia, 04.01.2012 22:51]

YouTube | RIS

Politische und wirtschaftliche Interessen

Dass es überhaupt soweit kommen sollte, hat – wer sonst – die Firma Kleider Bauer inkl. politischen Verbandelungen bzw. deren Interessensvertretungen initiiert. Auf Grund Druckmachens durch die Eigentümerfamilie Graf auf das Innenministerium wurde die SoKo Bekleidung gegründet, die sich u.a. ausdachte, diesen o.g. §278a hier anzuwenden. Fragwürdige Hintergründe, die noch mehr Unstimmigkeiten mit sich brachten. Wurde hier versucht, ein Musterprozess gegen zivilen Ungehorsam zu führen?

YouTube

Freispruch

Am Ende wurden alle Angeklagten freigesprochen – wunderbar, oder? Jeder Prozesstag hat ~4000€ gekostet, die Angeklagten waren über ein Jahr beinahe täglich im Gerichtssaal, konnten keinem normalen Einkommensverhältnis nachkommen, um für ihre Unschuld zu kämpfen, welche durch das Gericht auch bestätigt wurde. Dennoch ist es in Österreich so, dass hier im Strafverfahren, die Verteidigungskosten nicht übernommen werden, auch wenn diese Personen rechtskräftig freigesprochen werden. Hinzu kommt, dass der Staatsanwalt gegen das Urteil berufen hat und es sein kann, dass nun alles von vorne anfängt. Es gibt eine Petition, bei der man für eine Gesetzesänderung unterschreiben kann:

Zur Petition | passender Artikel auf diepresse.com

Also, ab ins Kino!

Quellen:

www.martinballuch.com/?p=792
www.derprozess.com
Wikipedia

Kinder-Schokolade

Alles muss billig sein. Dieser Druck geht vom Konsumenten auf die Produzenten bis zu deren Lieferanten. Hast du Gusta auf ein KitKat, eine Tafel Milka oder Suchard, ein Twix oder einen heißen Kakao? Eventuell darf’s auch ein schokoladiger Kuchen sein? Hol dir aus der Naschlade, auf was du gerade so richtig Lust hast und lass es dir schmecken. Währenddessen darfst du meinen nächsten Beitrag lesen:

Von der Elfenbeinküste kommen 42% der Kakaobohnen weltweit. Die ganzen großen Kakaoverarbeiter wie u.a. Nestlé (schon wieder Nestlé), Kraft Foods (Milka, Toblerone, Suchard, Bensdorp, Mirabell), Cargill (Industrielieferant), sitzen dann in Abidjan, Elfenbeinküste und verschiffen fast die komplette Kakao-Ernte des Landes in die ganze Welt.

Ali Likiss, Chef und Besitzer von SAF CACAO, dem größten Produzenten von Kakaobohnen der Elfenbeinküste, wird von Miki Mistrati, einem dänischen Filmemacher, auf Kindersklaven auf den Kakaoplantagen angesprochen und gibt eine Antwort, so wie man sie gerne hättet:

“Ich kann der ganzen Welt versichern [...], die Elfenbeinküste ist ein Land, in dem es keine Kindersklaven auf den Plantagen gibt. Es arbeiten keine Kinder auf den Plantagen. Ein Kommittee hat das untersucht und es gibt keinen einzigen Beweis für Kindersklaven.”

Dadurch, dass die Kleinbauern auf den Kakaoplantagen um ihr Leben kämpfen und bei sinkendem Kakaopreis natürlich ohne Rücksicht auf Verluste sparen müssen, ist es für sie unmöglich, sich Plantagenarbeiter überhaupt leisten zu können. So arbeiten eben die Kinder der Bauern – so früh wie möglich – das ganze Jahr über auf deren Plantagen. Viele davon haben mit Migräne durch die verwendeten Pestizide zu kämpfen, geschweige denn Rückenschmerzen. Eine reife Kakaoschote hat rd. 800g – die ab 8 Jahre alten Kinder schleppen aber nicht nur eine sondern viele auf einmal auf den Plantagen umher – den ganzen Tag.

Jetzt kann man sich noch darauf ausreden, dass es diesen Menschen sonst noch schlechter ginge, wenn sie ihre Kinder nicht einsetzen würden. Die Kinder hätten mutmaßlich unter Umständen überhaupt nichs zu Essen bzw. eine Perspektive. Sie bekommen durch die frühe Arbeit auf den Kakaoplantagen jedoch auch keine Ausbildung / Schule und damit lässt sich der Teufelskreis leider nicht durchbrechen.

Es gibt aber nicht nur die eigenen Kinder der Bauern – das ist die eine Seite der Kinderarbeit, die in unserer Schokolade steckt. Die andere Seite betrifft die Kindersklaven und den Sklavenhandel. Einige Sekunden nach obigem, relativ scheinheiligen Zitat sieht man in “The Dark Side of Chocolate” 12-jährige Buben und Mädchen im westafrikanischen Mali. Sie werden mit Bussen an die Grenzen gebracht und dort von Kinderhändlern über die Grenze in die Elfenbeinküste verschleppt. Um 230 EUR kannst du dort ein Kind kaufen! Es arbeitet für dich ein Leben lang, wird nicht entlohnt, kann auch geschlagen werden (es gehört ja dir!) und eventuell lässt sich beim Preis auch noch etwas machen.

Kinderhändler, anonym: “Am Kinderhandel sind viele Menschen beteiligt. Einer bringt die Kinder zur Grenze, ein anderer über die Grenze. Dort nimmt sie wieder ein anderer in Empfang. Die Plantagenbesitzer geben uns Geld, damit wir die Kinder über die Grenze fahren.”

Ich habe mir u.a. diesen Film öfter angesehen. Ich habe mir Gedanken darüber gemacht und mich über die Alternativen informiert. Ich bin Konsument und ich kann für mich entscheiden. Das ist meine Macht! Ich kann entscheiden, dass ich die Sklaverei nicht unterstütze und deshalb von den “Großen” keine Schokolade mehr kaufe.

Ich mag Schokolade gerne. Und kaufe nur mehr Fairtrade Schokolade. Abgesehen von den richtigen Schokoladetafeln und -riegeln, Kuvertüre und Kakaopulver geht es selbstverständlich auch um alle anderen Produkte, in denen Kakao verarbeitet worden ist: Cookies, Kuchen, Kakaomilch, Eiscreme, Schoko-Osterhasen & -eier, Schokonikoläuse, Pralinen, und vieles, vieles mehr!

Schokoladen mit Fairtrade-Siegel garantieren, dass die Produzenten einen fairen Mindestpreis ausgezahlt bekommen, bzw. den Weltmarktpreis, wenn dieser darüber liegt. Außerdem wird unabhängig kontrolliert und somit Zwangs- und Kinderarbeit ausgeschlossen sowie der Einsatz von Agro-Chemikalien begrenzt. Produzentenorganisationen von Fairtrade-Kakao bekommen außerdem eine zweckgebundenen FAIRTRADE-Prämie für Bildung, Soziales und Infrastruktur.

JETZT UMDENKEN!

Die Fakten und Zitate in diesem Beitrag sind vorallem aus den Film “The Dark Side of Chocolate” (Schmutzige Schokolade) von Miki Mistrati. Siehe u.a. hier (YouTube) oder hier (ARD Mediathek). Bitte seht euch das an!

PS: Der Kuchen auf dem Foto ist mit Fairtrade Schokolade und Kakaopulver gebacken worden.

 

 

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Trinkwasser – zwei Standpunkte

Bei einem großen Glas Wiener Leitungswasser habe ich folgende zwei Zitate zusammengesucht, die ich für euch zum Thema Trinkwasser gegenüber stellen möchte:

Insgesamt trinken 884 Millionen Menschen auf dieser Welt noch immer verschmutztes Trinkwasser. Verunreinigtes Wasser und fehlende Sanitäranlagen tragen jedes Jahr zum Tod von 1,5 Millionen Kleinkindern bei. Das ist ein Viertel der weltweiten jährlichen Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren.

UNICEF am 22.03.11 [16.06.11]

Es ist nur ein Beispielzitat um uns in Erinnerung zu rufen, dass viele Menschen auf dieser Welt leider nicht so glücklich sind wie wir. Die leider in einer Gegend geboren worden sind, in der es nicht selbstverständlich ist, sauberes Trinkwasser zu haben, mit dem man bedenkenlos am Leben bleiben kann.

Auf der anderen Seite spricht der Boss von Nestlé. Nestlé gehört unter anderem Nespresso, Maggi, Mövenpick, Nesquik, Alete, Thomy & Co. Ich möchte, dass ihr wisst, wie er über die Geschichte mit dem Trinkwasser denkt:

“Also Wasser ist natürlich das wichtigste Rohmaterial, das wir heute noch auf der Welt haben. Es geht darum, ob wir die normale Wasserversorgung der Bevölkerung privatisieren oder nicht. Und da gibt es zwei verschiedene Anschauungen. Die eine Anschauung – extrem, würde ich sagen – wird von einigen, von den NGOs vertreten, die darauf pochen, dass Wasser zu einem öffentlichen Recht erklärt wird. Das heisst, als Mensch sollen Sie einfach das Recht haben, Wasser zu haben. Das ist die eine Extremlösung. Und die andere, die sagt, Wasser ist ein Lebensmittel; so wie jedes andere Lebensmittel sollte das einen Marktwert haben. Ich persönlich glaube es ist besser, man gibt einem Lebensmittel einen Wert, so dass wir alle bewusst sind, dass das etwas kostet.”

Peter Brabeck, Konzernchef Nestlé International in Erwin Wagenhofers Film “We feed the World” vgl. Wikipedia [16.06.11]

Also lasst euch euer nächstes Vittel, Aquarel oder sonstiges Wasser gut schmecken und denkt dabei an die unnötigen Plastikflaschen, verschmutztes Wasser in der dritten Welt und seid froh über das wunderbar saubere Wasser, das bei uns aus den Leitungen kommt.

Zum Abschluss noch ein Video: http://storyofstuff.org/bottledwater

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