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Die grünen Dächer der Gewinnmaximierung

Vom Greenwashing schon mal gehört? Greenwashing kurz erklärt: McDonald’s. Grüne Dächer, grünes Logo – nix dahinter. Pseudoabsichten und trotzdem Gewinnmaximierung um jeden (nicht-monetären) Preis.

Greenwashing lang erklärt:

“Die Irreführung von Konsumenten über die ökologischen Geschäftsmethoden eines Unternehmens oder die ökologischen Vorteile eines Produktes. Das betrifft vor allem Unternehmen, deren Kerngeschäft unethisch ist [...], oder solche, die schwerwiegende gesamtgesellschaftliche Problemstellungen aufwerfen, wie Atomindustrie oder Fastfood Konzerne.” Karin Huber, comact responsible communication & consulting, bioMagazin 34. Ausgabe 07/2011

Ökologisch Sinnvolles und Gutes zu kaufen, ist – auch wenn wir generell dazu neigen, viel Scheiß zu kaufen, den wir wieder wegschmeißen (“war eh billig”), anderes Thema – trotzdem irgendwo in unserem Sinne. Dass McDonalds (Ö) Biomilch für den McCafe verwendet, bleibt uns positiv in Erinnerung. Wer schlau ist, fragt als nächstes: Und ist der Kaffee auch bio und fairtrade? Das Fleisch, die Erdäpfel, werden die Mitarbeiter gerecht entlohnt und behandelt, ist der Transport und die Logistik effektiv und umweltschonend, ist der ganze ressourcenverschleudernde Einwegmist der Verpackung notwendig, …??? Wer das kleinlich nennt und die Biomilch “eh schon einen guten Anfang” findet, der sollte mal darüber nachdenken, wie gering eigentlich der Milchanteil volums- und umsatzmäßig an den Produkten vom gelben M ist. Dass die Bude genug Kohle hat, um hier mal ernsthaft etwas umzusetzen. Genau dieses “eh ein Schritt in die richtige Richtung” baut keinen bzw. zu wenig Druck auf die großen Konzerne auf, der notwendig ist, um hier etwas zu bewegen.

Ich finde es auch hinterfragenswert, wenn die Verkehrsbetriebe groß damit werben, dass ihre Autobusse mit Gas statt Benzin fahren. Das ist genauso ein fossiler Brennstoff, der nicht erneuerbar ist wie es Erdöl ist. Toll? Hier gibt es noch einige nette Beispiele über u.a. BP und McDonald’s (vor der Vergrünerung).

Dass die Konzerne nach dem Motto “Tue Gutes und sprich darüber” (und wenn es nur der Tropfen auf dem heißen Stein ist – auch egal) hier bis auf weiteres weiter “grün waschen” werden, ist mal klar. Aber wie blickt man hier noch durch?

Du solltest dir beim einkaufen, die richtigen Fragen stellen und  ein richtiger Konsumkritiker, du sollst wissen, was du da kauft und warum.

  • Woraus setzt sich mein Produkt zusammen?
  • Woher stammen die Rohstoffe?
  • Wie und wo wurden die Produkte verarbeitet?
  • Ist die Herstellung unverhältnismäßig ressourcen- und energieaufwändig?
  • Wie weit ist der  Transportweg insgesamt? (Rohstoffe – Fertigung – Verpackung – Geschäft – Dein Zuhause …)
  • Findest du ein anerkanntes Gütesiegel?
  • Wie sind die Auswirkungen der Verwendung des Produkts auf die Umwelt?
  • Wie sehen die Arbeitsbedingungen des Produktzyklus aus?

PS: Als “offizielle” Grün(d)e für die Umfärbung von McDonald’s habe ich im Internet von “bessere farbliche Abhebung von Burger King” bis zum “Respekt vor der Natur” vieles gelesen.

 

Wegwerfschmerz

Heute möchte ich wieder zwei Zitate gegenüberstellen. Wieder zurück zum Hunger auf der Welt, und dazu dass alle fünf Sekunden ein Kind unter 10 Jahren daran stirbt. 1… 2… 3… 4… 5… jetzt. Zuerst ein Zitat von We Feed The World und anschließend ein Gastbeitrag einer guten Freundin, die durch Artikel auf dieser Seite selbst zum Schreiben motiviert wurde. (Geht’s dir auch so? Kontaktier mich! :)

“Ein Viertel des Restmülls in Wien besteht aus unverbrauchten Lebensmitteln, der Großteil davon wäre noch für den Verzehr geeignet. Gleichzeitig wächst die Zahl der Hunger leidenden Menschen weltweit stetig an: 852 Millionen Menschen leiden Hunger, die meisten davon in Afrika und Lateinamerika. Aber auch in reichen Industriestaaten hungern immerhin rund 10 Millionen. Mehr als fünf Millionen Kinder sterben jährlich an Unterernährung” (Quelle)

“Tag für Tag wird in Wien gleich viel Brot entsorgt, wie Graz verbraucht.”

Gastbeitrag zu “Wegwerfschmerz”:

“Nicht erst seit „We feed the World“ finde ich den Gedanken daran, wie viele Lebensmittel jeden Tag weggeworfen und vernichtet werden, schrecklich. Ich spreche hier hauptsächlich, aber nicht nur, von dem, was in Geschäften am Ende des Tages bzw. des Verfallsdatums übrig bleibt. Dazu kommen alle Lebensmittel, die in jedem einzelnen Haushalt im Mistkübel landen.
Ich war immer schon sehr darauf bedacht, nicht zu viel „Unnötiges“ zu kaufen und mir vorher zu überlegen, was ich kochen will und dann die passenden Zutaten zu kaufen. Noch eine gute Sache: Restln verkochen! Wer dafür Tipps braucht, soll sich an meine Mutter wenden!

Während meiner Tätigkeit als Verkaufs-Aushilfe bei einer bekannten Bäckerei habe ich live mitbekommen, wie viel Gebäck und Mehlspeisen bis Geschäftsschluss nicht verkauft werden und zurück an die Zentrale geschickt werden (wer glaubt, die glücklichen Mitarbeiter können am Ende des Tages davon profitieren, irrt gewaltig – hier wird nichts verschenkt!) – und dann größtenteils einfach vernichtet werden.

Anderes Beispiel – Bananen: Mir ist beim Besuch einer bekannten Supermarktkette nun schon öfter aufgefallen, dass alle angebotenen Bananen braun und matschig waren. Das ist an und für sich ja kein Problem, sie sind ja trotzdem noch genießbar, allerdings kauft natürlich niemand braune, matschige Bananen zum selben Preis, den er auch für frische, gelbe Bananen zahlen würde. Anstatt also die alten Bananen günstiger zu verkaufen, wirft sie der Supermarkt lieber weg.
Das Beispiel gilt leider für so viele verschiedene Produkte.

Es gibt in Wien sehr viele kleiner Bio-Läden (zum Beispiel im 7. Bezirk), von denen einige die, wie ich finde, grandiose Angewohnheit haben, verderbliche Lebensmittel nach „frisch“ und „schon etwas älter“ zu sortieren und auch mit verschiedenen Preisen zu verkaufen. Hier wieder das Beispiel Bananen, die ich als Zutat für Muffins verwenden wollte. Dazu brauche ich keine schönen gelben Bananen, die können ruhig schon ein bisschen braun und matschig sein, dafür zahle ich auch weniger. Die Muffins sind dann gut fürs Herz :)

Ich frage mich, was dagegen spricht, Produkte, die am nächsten Tag keiner mehr haben will, am selben Tag, noch günstiger verkaufen zu wollen anstatt sie wegzuwerfen?”

PS: DU kannst DICH ändern. MACH ES ANDERS!

Wie ein Gentechnik-Konzern die Landwirtschaft beherrscht

http://www.flickr.com/photos/mordac/2893686686/Monsanto ist ein Biotechnik-Konzern, der weltweit tätig ist. Er verdient sein Geld damit, Breitband-Herbizide für die Landwirtschaft herzustellen und gleichzeitig Pflanzen genetisch so zu verändern, dass die Herbizide alles am Feld töten, nur das genetisch angepasste Saatgut nicht. Gemeint ist Monsanto Saatgut wie zum Beispiel Mais, Soja, Raps und Baumwolle – aber auch verschiedene Gemüse- und Obstsorten.

Produkte wie Mais und Soja sind heutzutage überall, sie werden massenhaft angepflanzt und stecken unter den verschiedensten Decknamen in fast 90% aller industriell hergestellten Nahrungsmittel: Maltodextrin, Fructose oder Ascorbinsäure in z.B. Ketchup, Fertig-Salatdressing, Cola, usw. Außerdem sind sie – zwar nicht artgerecht aber – billiges Futtermittel für die Massen an Tieren, die wir verspeisen. Weltweit werden mehr als 60 Mio. Hektar Land mit gentechnisch veränderten Pflanzen bestellt, 99% davon in Kanada, Argentinien, China und den USA. Davon Soja (58%), Mais (23%), Baumwolle (12%) und Raps (7%).

Monsanto hat ein sehr gutes Netzwerk, denn mehrere federführende Politiker waren vorher im besagten Konzern beschäftigt. Dadurch ist es ihnen gelungen, dass – ohne politische Diskussion – es u.a. in den USA möglich ist, Pflanzen bzw. deren Saatgut patentieren zu lassen! 90% aller Sojabohnen in den USA enthalten also von Monsanto manipulierte, patentierte Gene. 70% der verarbeiteten Produkte in den USA überhaupt enthalten gentechnisch veränderte Zutaten. Durch Monsantos gute Kontakte gibt es für diese in den USA keine Kennzeichnungspflicht auf den Produkten.

Was heißt nun Breitband-Herbizid? DAS Monsanto-Produkt schlechthin ist das “Roundup”. Man bespritzt das Feld damit und alles wird abgetötet. Bis auf das zertifizierte Monsanto-Saatgut, das gegen dieses Roundup durch Gentechnik immun gemacht worden ist.

Auf Wikipedia wird in einem Absatz zu Roundup sehr positiv erwähnt:
“Die Adoption von herbizidtoleranten Pflanzen führte zu einer Reduktion der Toxizität der ausgebrachten Herbizide und einer Ausweitung der pfluglosen Bewirtschaftung, wodurch Bodenerosion, Kraftstoffverbrauch und Treibhausgasemissionen zurückgingen. Für die Landwirte in Entwicklungsländern ergaben sich tendenziell Ertrags- und Einkommenszuwächse, in Industrieländern vor allem Arbeitsersparnisse.”

Im nächsten Absatz heißt es zum Einsatz von Roundup im Hausgebrauch:
“Sie dürfen jedoch nicht in oder unmittelbar an oberirdischen Gewässern und Küstengewässern angewandt werden.”

Klingt für mich sehr vertrauenswürdig.

Was heißt nun patentiert? Patentrecht heißt, dass es auch Patentrechtsverletzungen geben kann. Früher hoben sich Bauern Samen von der Ernte auf, um Saatgut für’s nächste Jahr zu haben. Monsanto verbietet dies, jegliche Saatgut-Wäscherei von Monsanto-Pflanzen ist verboten. USA-weit werden hierfür 75 Angestellte eingesetzt, die die Roundup-Kunden detektivisch ausspionieren und verfolgen. Im Zweifelsfall geht der Konzern dann vor Gericht. So müssen hunderttausende Bauern jedes Jahr brav das Saatgut und Roundup-Herbizid von Monsanto kaufen. Neben dieser Ausbeutung der Bauern (Gentechnik macht sie also nicht reicher sondern ärmer!) sind weitere negative Folgen in den Anbauländern der enorme Anstieg der Verwendung von Spritzmitteln und die Rodung von Wäldern für den Anbau.

Sowohl im Film Food, Inc. als auch bei Wikipedia bekommt man den Eindruck, dass Monsanto mit allen Mitteln versucht, Angst und Schrecken zu erregen und jegliche Alternativen zu beseitigen. Wenn einer den anderen klagt, ist oft der im Vorteil, der mehr Geld hat. Bei Monsanto gegen Bauern, ist es dann wohl Monsanto. Und so hat Monsanto über 150 amerikanische Bauern wegen besagter Patentrechtsverletzung verklagt. Sogar eine Molkerei wurde verklagt, da diese sich in einer Werbekampagne damit hervorhub, Monsantos Wachstumshormone für Rinder NICHT einzusetzen, und dies geschäftsschädigend für Monsanto ist. Geht’s noch ärger? Ja!

Die Österreicher haben durch das lange währende Import- und Anbauverbot für Gentech-Maissorten die USA (= Monsanto) ziemlich verärgert. 2008 wollten die USA gegen Österreich deshalb Strafzölle verhängen. Als Ergebns der Gentechnik-Orientierungsdebatte wenige Wochen später wurde der Import der gentechnisch veränderten Maissorten MON810 und T25 als Lebens- und Futtermittel legalisiert. Anbauen darf man sie in Österreich bis heute nicht – aber davon wiederum ist die EU nicht begeistert.

Was heißt das für uns? In der EU sind genetisch veränderte Zutaten in Lebensmitteln kennzeichnungspflichtig. Also: Kleingedrucktes lesen und ggf. zu einem anderen Produkt greifen. Nichts desto trotz, wenn die Tiere, deren Produkte wir essen, also das Fleisch bzw. Eier, Käse, etc. solchen Genmais zu fressen bekommen haben, muss der Hersteller das nicht kennzeichnen. Sicher gehen kann man in jedem Fall bei BIO-Produkten bzw. Produkten mit dem Hinweis “gentechnikfrei” o.ä. Übrigens: in Österreich landen jährlich rund 600.000 Tonnen Gentech-Soja über den Umweg des Futtertrogs auf unseren Tellern!

Das Fazit dieses Artikels soll sein: da Gentechnik umstritten ist und oft beängstigend mit wesentlichen Gesundheitsrisiken in Verbindung gebracht wird, sollten wir Gentechnik in unserem Essen vehement ablehnen. Gentechnik heißt hier fast immer: Geld für Monsanto. Unterstützung für einen Konzern, der monopolistisch überhand nehmen möchte, Bauern unterdrückt und in den Ruin treibt, mit Breitbandherbiziden die Böden vollkommen zerstört, Arbeiter ausbeutet und durch raffinierte Rochaden in der Politik Gesetze zum eigenen Vorteil (und Nachteil für alle anderen) durchbringt.

Das kannst DU entscheiden – 3 mal am Tag, bei jedem Bissen.

Einige News aus dem Vorjahr:
Monsanto darf sich selbst kontrollieren, 23.06.11
Roundup steht in Verbindung mit Missbildungen, 23.06.11
Monsanto: Neue Hinweise auf Risiken von Totalherbizid Roundup, 23.06.11
Monsanto will Schweinefleisch patentieren, 23.06.11

Quellen:
Food, Inc. – 2008, USA, Robert Kenner
Wikipedia Monsanto und Roundup, 23.06.11
Greenpeace.org, 23.06.11
Marktcheck Greenpeace.at, 23.06.11
We Feed The World – Website, 23.06.11