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Du drehst doch sonst jeden Euro dreimal um.

Ich habe 10 Freunde, alle haben je 100 EUR. Ich nehme ihr Geld und verspreche ihnen 1% pro Jahr. Ich habe jetzt 1000 EUR. Ein Bekannter kommt zu mir, sagt er braucht 1000 EUR, weil er eine Dachreparatur in seinem Haus zahlen muss. Ich gebe sie ihm, unter der Bedingung, dass er mir insgesamt 1050 EUR nach einem Jahr zurückgeben muss. Das Jahr ist um, der Bekannte bringt mir 1050 EUR zurück und meine Freunde bekommen je 101 EUR zurück. Ich habe 40 EUR verdient. Auf’s Wesentliche reduziert, erfülle ich in diesem primitiven Beispiel die Grundgedanken einer Bank. Feine Sache.

Was passiert, wenn der Bekannte in Not aber keine Dachreparatur zahlen muss, sondern stattdessen mit dem Geld einen Kran ausborgen möchte, um das Dach seines Nachbars kaputt zu machen. Würde ich ihm das Geld trotzdem geben? Angenommen, mir als Bank, ist es egal, wem ich das Geld gebe: Hauptsache, der Kreditnehmer gibt mir wesentlich mehr, als ich gegeben habe, wieder zurück.

Was passiert, wenn die Freunde nachfragen, wo das Geld hingeht? Und ihr Geld einfach jemand anderem geben, zum Beispiel einer Bank, die andere, ausgewählte Projekte unterstützt?

Welcher Bank gibst du dein Geld, und was machen die damit?

Dein Geld zählt. Lass die Bösen damit nicht machen, was sie wollen. Hinterfrage, was deine Bank mit deinem Geld macht. Frage nach, schau auf deren Website. Für die EthikBank zum Beispiel sind folgende Investitionen lt. deren eigenen Richtlinien Tabu: Rüstungsgeschäfte, Atomkraft, Unternehmen, die Kinderarbeit zulassen, Saatgut gentechnisch verändern, ozonzerstörende Chemikalien herstellen oder Tierversuche für Kosmetika durchführen. Allein diese Tabus zeigen doch sehr gut, was offenbar bei anderen Banken zum Standard geworden ist. Willst du, dass dein Geld dafür verwendet wird?

Quellen:
attac.at
ethikbank.de
Wikipedia

Basis aller Geschäfte der EthikBank ist ihre sozialökologische Anlagepolitik – ein Mix aus Tabu- und Positivkriterien. So investiert die EthikBank das Geld ihrer Kunden nicht in Rüstungsgeschäfte, Atomkraft oder in Unternehmen, die Kinderarbeit zulassen. Unternehmen die Saatgut gentechnisch verändern oder ozonzerstörende Chemikalien herstellen sind ebenfalls tabu. Mit Tierversuchen für Kosmetika hat die EthikBank im Oktober 2010 ein neues Negativkriterium in ihrer Anlagepolitik verankert. Die Unternehmen, die Geld von der EthikBank bekommen, müssen sich aktiv für eine nachhaltige Wirtschaftsweise engagieren. Die EthikBank kauft weder Staatsanleihen von den unter Nachhaltigkeitsaspekten unterdurchschnittlichen OECD-Staaten noch von Ländern, die Menschenrechte verletzten.

Die grünen Dächer der Gewinnmaximierung

Vom Greenwashing schon mal gehört? Greenwashing kurz erklärt: McDonald’s. Grüne Dächer, grünes Logo – nix dahinter. Pseudoabsichten und trotzdem Gewinnmaximierung um jeden (nicht-monetären) Preis.

Greenwashing lang erklärt:

“Die Irreführung von Konsumenten über die ökologischen Geschäftsmethoden eines Unternehmens oder die ökologischen Vorteile eines Produktes. Das betrifft vor allem Unternehmen, deren Kerngeschäft unethisch ist [...], oder solche, die schwerwiegende gesamtgesellschaftliche Problemstellungen aufwerfen, wie Atomindustrie oder Fastfood Konzerne.” Karin Huber, comact responsible communication & consulting, bioMagazin 34. Ausgabe 07/2011

Ökologisch Sinnvolles und Gutes zu kaufen, ist – auch wenn wir generell dazu neigen, viel Scheiß zu kaufen, den wir wieder wegschmeißen (“war eh billig”), anderes Thema – trotzdem irgendwo in unserem Sinne. Dass McDonalds (Ö) Biomilch für den McCafe verwendet, bleibt uns positiv in Erinnerung. Wer schlau ist, fragt als nächstes: Und ist der Kaffee auch bio und fairtrade? Das Fleisch, die Erdäpfel, werden die Mitarbeiter gerecht entlohnt und behandelt, ist der Transport und die Logistik effektiv und umweltschonend, ist der ganze ressourcenverschleudernde Einwegmist der Verpackung notwendig, …??? Wer das kleinlich nennt und die Biomilch “eh schon einen guten Anfang” findet, der sollte mal darüber nachdenken, wie gering eigentlich der Milchanteil volums- und umsatzmäßig an den Produkten vom gelben M ist. Dass die Bude genug Kohle hat, um hier mal ernsthaft etwas umzusetzen. Genau dieses “eh ein Schritt in die richtige Richtung” baut keinen bzw. zu wenig Druck auf die großen Konzerne auf, der notwendig ist, um hier etwas zu bewegen.

Ich finde es auch hinterfragenswert, wenn die Verkehrsbetriebe groß damit werben, dass ihre Autobusse mit Gas statt Benzin fahren. Das ist genauso ein fossiler Brennstoff, der nicht erneuerbar ist wie es Erdöl ist. Toll? Hier gibt es noch einige nette Beispiele über u.a. BP und McDonald’s (vor der Vergrünerung).

Dass die Konzerne nach dem Motto “Tue Gutes und sprich darüber” (und wenn es nur der Tropfen auf dem heißen Stein ist – auch egal) hier bis auf weiteres weiter “grün waschen” werden, ist mal klar. Aber wie blickt man hier noch durch?

Du solltest dir beim einkaufen, die richtigen Fragen stellen und  ein richtiger Konsumkritiker, du sollst wissen, was du da kauft und warum.

  • Woraus setzt sich mein Produkt zusammen?
  • Woher stammen die Rohstoffe?
  • Wie und wo wurden die Produkte verarbeitet?
  • Ist die Herstellung unverhältnismäßig ressourcen- und energieaufwändig?
  • Wie weit ist der  Transportweg insgesamt? (Rohstoffe – Fertigung – Verpackung – Geschäft – Dein Zuhause …)
  • Findest du ein anerkanntes Gütesiegel?
  • Wie sind die Auswirkungen der Verwendung des Produkts auf die Umwelt?
  • Wie sehen die Arbeitsbedingungen des Produktzyklus aus?

PS: Als “offizielle” Grün(d)e für die Umfärbung von McDonald’s habe ich im Internet von “bessere farbliche Abhebung von Burger King” bis zum “Respekt vor der Natur” vieles gelesen.

 

Die Zivilgesellschaft als Staatsfeind? (Filmtipp: Der Prozess)

“Der Prozess” ist ein österreichischer Film über den “Wiener Neustädter Tierschutzprozess” (2010-2011). In diesem Strafprozess wurden TierschutzaktivistInnen beschuldigt, gemäß dem umstrittenen §278a StGb – dem sogenannten “Mafiaparagraphen” – eine “kriminelle Organisation” gebildet zu haben. Hintergrund war eine Aktion gegen Pelz des Vereins gegen Tierschutz, der die Kette Kleider Bauer im Visier hatte.

Es gibt mehrere Punkte dieses Filmes, die mich berührt haben, die ich schildern möchte:

Die Macht der Medien

Generell hat man in den Medien, wie über viele andere wichtige Sachen, nichts über diesen Prozess, geschweige denn über dessen Unstimmigkeiten oder Kritik daran, mitbekommen. Gerade mal an die Verhaftung der Angeklagten (105 Tage U-Haft!) kann ich mich erinnern: die Berichterstattung hat in mir das Bild erzeugt, dass es sich hier um ein paar randalierende Radikale handelt, die außer Gefecht gesetzt wurden. (Gott sei Dank!) Tierschutz wurde also mit negativen Assoziationen in den Medien breit getrampelt. Wieder einmal habe ich gelernt, dass man über die Sachen, die man wissen möchte, selbst Recherchen anstellen muss.

Der Paragraf §278a StGb

In diesem Gesetz – das eigentlich Terror und Mafia vorbeugen soll – geht es um Personen, die eine auf längere Zeit angelegte unternehmensähnliche Verbindung einer größeren Zahl von Personen gründen (oder sich an einer solchen beteiligen). Diese Verbindung soll kriminelle Absichten haben und erheblichen Einfluss auf die Politik oder Wirtschaft anstreben. Es geht hier offenbar nicht um Sachen, die man getan hat, sondern Sachen, die man beabsichtigt zu tun. Und damit ist der Interpretationsspielraum ziemlich groß. Der Film zeigt auch, dass bei einem Verdacht gem. diesem Paragrafen, umfangreiche Observationen gestattet werden bzw. gestattet werden können!

[...] in Form von Lauschangriffen, Peilsendern, Online-Überwachungen, Beschattungen und verdeckten Ermittlungen gegen eine große Anzahl von Personen. Acht Monate nach Beginn der Ermittlungen der SoKo berichtete diese am 18. Dezember 2007 dem Generaldirektor der Polizei, bis auf eine DNA-Spur auf einem Pflasterstein keine Ermittlungsergebnisse vorweisen zu können. [Wikipedia, 04.01.2012 22:51]

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Politische und wirtschaftliche Interessen

Dass es überhaupt soweit kommen sollte, hat – wer sonst – die Firma Kleider Bauer inkl. politischen Verbandelungen bzw. deren Interessensvertretungen initiiert. Auf Grund Druckmachens durch die Eigentümerfamilie Graf auf das Innenministerium wurde die SoKo Bekleidung gegründet, die sich u.a. ausdachte, diesen o.g. §278a hier anzuwenden. Fragwürdige Hintergründe, die noch mehr Unstimmigkeiten mit sich brachten. Wurde hier versucht, ein Musterprozess gegen zivilen Ungehorsam zu führen?

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Freispruch

Am Ende wurden alle Angeklagten freigesprochen – wunderbar, oder? Jeder Prozesstag hat ~4000€ gekostet, die Angeklagten waren über ein Jahr beinahe täglich im Gerichtssaal, konnten keinem normalen Einkommensverhältnis nachkommen, um für ihre Unschuld zu kämpfen, welche durch das Gericht auch bestätigt wurde. Dennoch ist es in Österreich so, dass hier im Strafverfahren, die Verteidigungskosten nicht übernommen werden, auch wenn diese Personen rechtskräftig freigesprochen werden. Hinzu kommt, dass der Staatsanwalt gegen das Urteil berufen hat und es sein kann, dass nun alles von vorne anfängt. Es gibt eine Petition, bei der man für eine Gesetzesänderung unterschreiben kann:

Zur Petition | passender Artikel auf diepresse.com

Also, ab ins Kino!

Quellen:

www.martinballuch.com/?p=792
www.derprozess.com
Wikipedia